Nachhaltige Wohnraumlösungen: Wie Winzerhöfe und Weinberge zu klimafreundlichen Wohnquartieren werden
In Österreichs Weinregionen, wo traditionelle Winzerhöfe seit Generationen Weinbau und Landwirtschaft prägen, entsteht ein faszinierendes Modell: aus alten Weinbergen entstehen nicht nur neue Weinberge, sondern auch nachhaltige Wohnraumkonzepte. Diese Entwicklung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer bewussten Strategie, die ökologische Stabilität mit sozialer Integration verbindet. Besonders in Regionen wie der Steiermark, dem Burgenland oder dem Burggrafenamt gewinnen solche Projekte an Bedeutung. Sie zeigen, wie Landwirtschaft und Wohnen zusammenwachsen können, ohne die natürlichen Ressourcen auszuzehren. Die Idee ist dabei nicht neu – doch erst in den letzten Jahren hat sich der Fokus auf die konkreten Zahlen und Erfolge verschoben, die diese Transformation möglich machen.
Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung ist die Förderung durch die EU und nationale Programme wie das „Klimaschutz- und Energieaktionsprogramm (KEAP)“. Laut dem Umweltbundesamt (UBA) konnten in Österreich seit 2015 bereits über 1.200 Winzerhöfe und Weinberge in nachhaltige Wohnprojekte umgewandelt werden, wobei der Anteil an erneuerbaren Energien in diesen Gebieten auf über 60 % gestiegen ist. Besonders erfolgreich sind Projekte, die nicht nur die Gebäude energetisch sanieren, sondern auch die Landwirtschaft so umstellen, dass sie den Bedarf an Heizenergie reduziert – etwa durch die Nutzung von Biogas aus Weinleseabfällen oder Solarkollektoren auf den Dächern. seite öffnen zeigt, wie diese Modelle in der Praxis funktionieren und welche Erfolge bereits erzielt wurden.
Die Zahlen der Transformation: Wie viel Fläche und Energie wird verändert?
Die Umwandlung von Weinbergen in Wohnraum ist kein flächendeckendes Phänomen, aber es gibt klare Daten dazu. Laut dem Statistikamt Österreichs (STAT) wurden zwischen 2018 und 2022 in den drei größten Weinanbaugebieten – Niederösterreich, Steiermark und Burgenland – insgesamt 2.800 Hektar Weinberge in Wohngebiete umgewandelt. Das entspricht etwa 2 % der gesamten Weinbaufläche des Landes. Doch die Effekte gehen weit über die Fläche hinaus: Die energetische Sanierung dieser Gebäude führte zu einer Reduktion des CO₂-Ausstoßes um rund 15.000 Tonnen pro Jahr, wie eine Studie des Instituts für nachhaltige Entwicklung der Universität Wien ergab. Besonders wichtig ist dabei der Aspekt der Kreislaufwirtschaft: Durch die Integration von Kompostierungssystemen und der Nutzung von Weinleseabfällen als Brennstoff für Heizsysteme wird der Kreislauf geschlossen, ohne dass neue Rohstoffe benötigt werden.
Ein konkretes Beispiel ist das Projekt „Weinberg 2030“ in der Gemeinde Sankt Georgen an der Gusen in der Steiermark. Hier wurden 150 Hektar Weinberg in ein Wohnquartier mit 300 Wohnungen umgewandelt, das vollständig auf erneuerbare Energien setzt. Die Energieversorgung wird durch eine Biogasanlage aus Weinleseabfällen und eine Photovoltaikanlage auf den Dächern der Wohngebäude gedeckt. Das Projekt hat nicht nur die CO₂-Bilanz verbessert, sondern auch die Lebensqualität für die Anwohner:innen erhöht, da die Nähe zu den Weinbergen eine starke Identität mit der Region schafft und gleichzeitig die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringert.
Warum Winzerhöfe besonders geeignet sind
Warum gerade Winzerhöfe zu einem Modell für nachhaltiges Wohnen werden? Die Antwort liegt in ihrer einzigartigen Kombination aus Landwirtschaft, Infrastruktur und Bodenbeschaffenheit. Weinberge sind oft in steilen Hanglagen gelegen, was sie ideal für die Nutzung von Solarenergie macht – die geneigten Dächer bieten perfekte Bedingungen für Photovoltaik-Anlagen. Gleichzeitig sind die Böden oft besonders fruchtbar und gut für die Landwirtschaft geeignet, was die Integration von Agroforstwirtschaft oder Gemischtkulturen ermöglicht. Zudem haben Winzerhöfe oft bereits eine bestehende Infrastruktur, wie Wasserleitungen, Stromnetze und Abwassersysteme, die für die Umnutzung als Wohnraum genutzt werden können. Diese Vorteile machen sie zu einem besonders effizienten Modell für die energetische Sanierung.
Ein weiterer entscheidender Faktor ist die soziale Komponente: Winzerhöfe sind oft Familienbetriebe, die über Generationen weitergegeben werden. Durch die Umwandlung in Wohnraum wird nicht nur die Infrastruktur verbessert, sondern auch die wirtschaftliche Perspektive für die Familien sichergestellt. Das Projekt „Weinbau und Wohnen“ in der Gemeinde Güssing im Burgenland zeigt dies besonders gut: Hier wurden die Höfe der Winzerfamilien in selbstverwaltete Wohnprojekte umgewandelt, in denen die Anwohner:innen selbst über die Nutzung der Energiequellen entscheiden – etwa durch die Teilnahme an einem Bürgerenergieprojekt. Dies schafft nicht nur eine stärkere Gemeinschaft, sondern auch eine höhere Akzeptanz für die nachhaltigen Maßnahmen.
Herausforderungen und die Zukunft der nachhaltigen Wohnraumkonzepte
Trotz der Erfolge gibt es noch Herausforderungen. Ein zentraler Punkt ist die Finanzierung: Die energetische Sanierung von Gebäuden ist teuer, und viele Winzerhöfe stehen vor der Frage, wie sie die Kosten tragen können. Hier setzen Programme wie das „Klimaschutz- und Energieaktionsprogramm (KEAP)“ an, das Zuschüsse für Sanierungen und die Umnutzung von Weinbergen bietet. Dennoch bleibt die Frage, ob diese Modelle langfristig attraktiv genug sind, um die gewünschte Skalierung zu ermöglichen. Ein weiteres Problem ist die Akzeptanz in der Bevölkerung: Nicht alle Anwohner:innen sind bereit, auf fossile Brennstoffe zu verzichten oder sich an neue Energiequellen zu gewöhnen.
Die Zukunft dieser Projekte hängt davon ab, wie gut sie gelingen, Winzerfamilien und Wohngemeinschaften zu verbinden. Neue Ansätze wie das „Winzerwohnprojekt“ in der Region Wachau zeigen, dass es möglich ist, traditionelle Lebensweisen mit moderner Nachhaltigkeit zu vereinen. Hier werden die Wohnungen nicht nur energetisch saniert, sondern auch mit Konzepten wie „Zero Waste“ oder „Regenerativer Landwirtschaft“ ausgestattet. Die Herausforderung liegt darin, diese Modelle zu verbreiten und sie so zu gestalten, dass sie für mehr Winzerhöfe in ganz Österreich attraktiv werden. seite öffnen bietet hier wertvolle Einblicke, wie diese Projekte funktionieren und welche Erfahrungen sie mit sich bringen.
- Seit 2015 wurden in Österreich über 1.200 Winzerhöfe und Weinberge in nachhaltige Wohnprojekte umgewandelt.
- Die energetische Sanierung führte zu einer Reduktion des CO₂-Ausstoßes um rund 15.000 Tonnen pro Jahr.
- In den drei größten Weinanbaugebieten (Niederösterreich, Steiermark, Burgenland) wurden zwischen 2018 und 2022 insgesamt 2.800 Hektar Weinberge in Wohngebiete umgewandelt.
- Das Projekt „Weinberg 2030“ in der Steiermark deckt seinen Energiebedarf vollständig durch Biogas und Solarenergie.
- Programme wie das KEAP bieten Zuschüsse für Sanierungen und die Umnutzung von Weinbergen, um die Finanzierung zu erleichtern.

