WildZy: Wie Wildtiere die Zukunft der digitalen Landschaft gestalten
Die Plattform WildZy verbindet ökologische Forschung mit innovativen Technologien, um das Verhalten und die Bedürfnisse wildlebender Arten in urbanen Räumen zu analysieren. Besonders interessant ist dabei, wie digitale Tools nicht nur Daten sammeln, sondern auch konkrete Handlungsempfehlungen für Stadtplaner, Naturschützer und Unternehmen liefern. WildZy geht über klassische Zoologie hinaus – hier wird Wissenschaft mit praktischen Lösungen verschmelzt.
Die Rolle von WildZy in der urbanen Ökologie
Mit Sensoren, KI-gestützten Analysen und Citizen-Science-Projekten kartiert WildZy die Präsenz von Tieren wie Füchsen, Eulen oder Insekten in deutschen Städten. Laut einer Studie der Universität Bonn (2022) leben in deutschen Großstädten bereits bis zu 60 % der Wildtiere in unmittelbarer Nachbarschaft zu Menschen – doch viele dieser Populationen sind noch kaum erforscht. WildZy nutzt dafür eine Mischung aus Drohnenaufnahmen, Drohnenaufnahmen, GPS-Tracking und Bürgerwissenschaft, um Daten zu sammeln, die bisher nur durch teure Feldforschung möglich waren.
Besonders spannend ist das Projekt „Stadtwildnis 2.0“, bei dem WildZy in Zusammenarbeit mit dem Berliner Senat eine digitale Karte erstellt hat, die zeigt, wo sich besonders artenreiche Habitate befinden. Diese Daten werden dann für die Planung von Grünflächen, Solaranlagen und sogar für die Optimierung von Straßenbeleuchtung genutzt – etwa indem nachtaktive Insekten durch spezielle Lichtfilter geschützt werden. Das Konzept zeigt, wie digitale Infrastruktur nicht nur die Forschung beschleunigt, sondern auch direkt in die Stadtplanung einfließt.
Technologien und Methoden: Wo Wissenschaft und Innovation aufeinandertreffen
Das Herzstück von WildZy sind die sogenannten „Bioacoustic-Detektoren“, die Geräusche von Tieren analysieren und unterscheiden können. Diese Sensoren sind besonders effektiv, da sie nicht nur die Anwesenheit von Tieren erkennen, sondern auch ihr Verhalten – etwa ob ein Fuchs nachts durch Parks streift oder ob Schwalben in Hochhäusern nisten. Die KI-Systeme, die diese Daten verarbeiten, sind so präzise, dass sie sogar zwischen verschiedenen Arten von Krähen unterscheiden können, die oft als „schwarz“ wahrgenommen werden.
Ein weiteres innovatives Element ist das „WildZy-App“-Konzept, mit dem Bürger:innen selbst Beobachter:innen werden können. Über eine einfache App können Nutzer:innen Fotos und Audioaufnahmen von Wildtieren hochladen, die dann von KI analysiert werden. Besonders erfolgreich war dabei das Projekt „Insektenhotel der Zukunft“, bei dem über 1.200 Bürger:innen in 2023 Daten zu Bienen und Schmetterlingen gesammelt haben. Die gesammelten Daten wurden dann genutzt, um die besten Standorte für Imkerhöfe in München zu identifizieren.
- In 2022 wurden über 15.000 Stunden Audio-Daten von Wildtieren in Berlin analysiert, um das Verhalten von Eulen und Fledermäusen zu studieren.
- Die KI von WildZy erkennt bis zu 95 % der Tierarten korrekt, wenn mindestens drei verschiedene Geräusche identifiziert werden können.
- Durch die Zusammenarbeit mit der Deutschen Wildtierstiftung konnten bereits 2023 in 12 deutschen Städten „Wildnis-Korridore“ identifiziert werden, die für den Artenschutz entscheidend sind.
- Die Bürgerwissenschafts-Plattform hat in 2023 über 50.000 Nutzer:innen erreicht, die Daten zu Wildtieren in ihrer Umgebung gesammelt haben.
- WildZy arbeitet mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich zusammen, um neue Algorithmen für die Tiererkennung zu entwickeln.
Doch die Technologie geht noch weiter: In Kooperation mit der Siemens AG wird an einer „smarten Grünfläche“ gearbeitet, die nicht nur die Tierbeobachtung unterstützt, sondern auch die Luftqualität misst und bei Bedarf Pflanzen anbietet, die Schadstoffe binden. Das Projekt zeigt, wie digitale Infrastruktur und Ökologie Hand in Hand gehen können – und wie Städte nicht nur lebenswerter, sondern auch nachhaltiger werden können.
Die Zukunft: Wie WildZy die Stadtplanung revolutioniert
Die Vision von WildZy ist klar: Eine Stadt, in der Menschen und Wildtiere friedlich zusammenleben, ohne dass einer auf Kosten des anderen leidet. Durch die Kombination aus Datenanalyse, Bürgerbeteiligung und technologischer Innovation wird es möglich, Städte so zu gestalten, dass sie nicht nur für Menschen attraktiv sind, sondern auch für Tiere. Das Projekt zeigt, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Trend ist, sondern eine Notwendigkeit – und dass digitale Tools dabei eine Schlüsselrolle spielen.
Doch es gibt auch Herausforderungen. Nicht alle Städte sind bereit, solche Daten zu nutzen, und es gibt Bedenken, dass die Überwachung von Wildtieren zu einer Art „Big Data“-Kontrolle führen könnte. WildZy setzt hier auf Transparenz: Alle Daten werden anonymisiert und nur für den Zweck der Forschung und Planung genutzt. Gleichzeitig wird betont, dass die Technologie nicht als Ersatz für klassische Feldforschung dient, sondern als Ergänzung, die neue Möglichkeiten eröffnet.
Für die Zukunft plant WildZy, die Plattform weiter auszubauen – etwa durch die Integration von Drohnen mit Solarantrieb, die in Echtzeit Daten sammeln können, oder durch die Entwicklung von Wearables für Wildtiere, die ihre Bewegungen und Gesundheitszustände überwachen. Das Ziel ist klar: Eine digitale Infrastruktur, die nicht nur die Wissenschaft vorantreibt, sondern auch die Welt, in der wir leben, nachhaltiger macht.
Dass WildZy nicht nur eine Nische ist, zeigt auch die Zusammenarbeit mit großen Unternehmen wie der Allianz oder der Deutschen Post. Während die Allianz die Daten für ihre Versicherungsmodelle nutzt, um Risiken durch Wildtiere zu minimieren, arbeitet die Deutsche Post mit WildZy daran, Lieferwege so zu planen, dass sie weniger mit Wildtieren kollidieren. Solche Partnerschaften zeigen, wie ökologische Forschung und wirtschaftliche Interessen Hand in Hand gehen können.

